Schon
seit vielen Jahrhunderten senkt sich in Jerusalem am Ostersamstag auf das Grab
des Herrn ein Segensreiches Feuer herab. Mittels dieses sich jedes Jahr
vollziehenden Wunders gibt uns Gott der Herr deutlich zu verstehen, daß Ihm unser
orthodoxer Kirchenkalender gefällig ist. Gemäß einem uralten Brauch werden am
Vorabend dieses Tages in der Kirche zu Christi Auferstehung alle Lichter
gelöscht. Am Ostersamstag betritt der Patriarch von Jerusalem etwa um ein Uhr
mittags die Grotte mit dem Lebenspendenden Grabe des Herrn. Er hält nicht
angezündete Kerzen in der Hand und verrichtet ein Gebet. Nach ein paar
Augenblicken kommt vom Himmel ein Segensreiches Feuer herab. Daran entzündet
der Patriarch die Kerzen und überreicht sie den betenden Menschen in der
Kirche. Das ist ein ganz außergewöhnliches Feuer, denn in der ersten Zeit nach
seiner wunderbaren Herabkunft versengt es gar nicht. Im vorigen Jahrhundert
hatte sich eine bemerkenswerte Begebenheit zugetragen. Einmal wollten sich
Andersgläubige des Segensreichen Feuers bemächtigen, und ließen die orthodoxen
Gläubigen nicht zum Grabe des Herrn heran. Da kam das Segensreiche Feuer auf
einmal aus einer Kirchensäule hervor, wo die Orthodoxen beteten, und zündete
die Kerzen des Patriarchen und des Volkes an.
Die heilige Überlieferung
O Timotheus! Bewahre, was dir anvertraut ist,
und meide die ungeistlichen, losen Geschwätze
und das Gezänke der fälschlich sogenannten Erkenntnis,
zu welcher sich etliche bekennen und irren ab vom Glauben. [1.
Tim. 6,20-21]
I
Sechstes
Ökumenisches Konzil ( im Jahre 680), Verordnung 8 :
- "Jegliche Neuerung und jedes Tun wider die Kirchenüberlieferung, die
Lehre und die Regeln der des seligen Andenkens würdigen heiligen Väter, seien
dreimal verflucht."
Siebentes
Ökumenisches Konzil (im Jahre 787), Verordnungen:
- " Alle, die gegen Kirchenüberlieferung, die lehre und die Vorschriften
der ewig denkwürdigen heiligen Väter auftreten, sind nach wie vor mit dem
Bannfluch zu belegen".
Landeskonzil von
Gangre (im Jahre 340), Regel 21 :
- "Wer in der Kirche Neuerungen einführen will, denen setzen wir
Schranken... , wir wünschen in der Kirche alle zu sehen, die sich an die
Göttlichen Schriften und an die Überlieferungen der Apostel halten."
Diese Regeln hat
Bischof Nikodim von Dalmatien und Istrien (gest. 1915) folgendermaßen
ausgelegt: -" Die Väter dieses Konzils ordneten an, die heilige Kirche vor
Novitäten zu bewahren und dafür zu sorgen, dass alles, was von der Heiligen
Schrift und der Überlieferung der Apostel vorgeschrieben wird, heilig und
unversehrt bleibe, denn anderenfalls werde ein Weg gebahnt für religiöse
Gemeinschaften, die sich nicht als Kirche bezeichnen können."
Rundschreiben der vier Östlichen Patriarchen (1884) :
- " Unser Glaube ist nicht vom Menschen und nicht durch den Menschen
gekommen, sondern vermittels der Offenbarung Jesu Christi, welche die
Göttlichen Apostel verkündigt, die Heiligen Ökumenischen Konzile bekräftigt,
die größen, weisen Lehrer der Welt weitergegeben, und die Märtyrer durch ihrem
Blut besiegelt haben. Halten wir uns weiterhin an unser Glaubensbekenntnis, das
wir von so vielen bedeutenden Männern in reiner Form übernommen haben, und
lehnen wir jegliche Neuerung als eine Einflüsterung des Bösen ab... Wer es
wagt, dem zuwider zu handeln, der hat bereits dem Christlichen Glauben entsagt,
und sich durch Lästerung des Heiligen Geistes der ewigen Verdammnis ausgesetzt.
Alle Neurer, seien es Ketzer oder Spalter, ziehen also freiwillig den Fluch an
wie ihre Hemd (Ps.108,18), und das betrifft alle: Päpste, Patriarchen, Kleriker
und Laien... Nicht wir sprechen heute diesen furchtbaren Fluch aus, sondern das
hat vor allem unser Erlöser, hat der Göttliche Paulus in seinem Brief an die
Galater getan. Das gleiche haben auch die sieben Ökumenischen Konzile und eine
ganze Schar von Gott-erleuchtenden Väter ausgesprochen." (Darunter stehen
die Unterschriften von Patriarchen und Mitgliedern ihres Synods : Anthymos von
Konstantinopel, Jerotheus von Alexandria, Methodios von Antiochien und Kyrillos
von Jerusalem).
Der ehrwürdige
Seraphim von Sarow (gest. 1833) : - " Was die Heilige Kirche akzeptiert
hat, das muß einem jedem Christenherz lieb und teuer sein. Was die Kirche und
den Sieben Ökumenischen Konzilien anordnete, ist zu erfüllen. Schlimm wird es
dem ergehen, der hierbei ein Wort hinzufügt oder wegläßt."
Erzbischof Nikon
von Wologda (gest. 1917) : - " In letzter Zeit sind so manche auf
Umwandlungen aus, wir klügeln allzu viel herum und legen auch schon an die
Kirche selbst einen entsprechenden Maßstab an. Dabei vergessen wir ganz, daß
sie nicht von dieser Welt ist, wie der Herr zu Pilatus gesagt hat, daß ihr
Fundament unantastbar ist. Und wer es trotzdem tut, der begeht einen größen Frevel,
denn dieses Fundament ist ewig wie die Kirche selbst, und wer sich davon
lossagt, ist bereits von der Kirche ausgeschieden und kein Christ mehr... Davor
sollen sich alle unsere "Erneuerer", "Beleber" und
"Umgestalter" des Kirchenlebens in acht nehmen, wenn sie getreue
Söhne der Orthodoxen Kirche bleiben wollen. Sind sie ihre Söhne, so müssen sie
ihr vor allen Dingen wie ein Sohn gehörchen, ansonsten werden sie Falschnamige
sein, welche die Kirche innerlich spalten können".
Bischof Nikodim von
Dalmatien : "Weicht man von den alten Gesetzen ab und verletzt auch nur
eine von ihren Regeln, so verliert die Landeskirche die Gnade Gottes, wird sie
zu eine spalterische Gemeinschaft."
Der
hl. Johannes Chrysostomos (gest. 407) : "Ist eine Kirchenüberlieferung vorhanden, so
braucht man nichts mehr weiter zu suchen".
Griechisches
Steuermanbuch ("Pidallion") : "Wo es keine Richtschnur oder ein
geschriebenes Gesetz gibt, da tut es an ihrer Stelle auch ein Brauch, der sich
viele Jahre hindurch bewährt hat und dem geschriebenen Gesetz nicht
zuwiderläuft."
-
"Syntagma", ein kanonischer Sammelband aus dem 14. Jh.,
zusammengestellt von dem Mönchpriester Matthäus Wlastaris : "Um die
Osterfeierlichkeiten richtig festzusetzen, müssen vier Bedingungen eingehalten
werden:
1.) Diesem Fest muß das Frühlingsäquinoktium vorausgegangen sein.
2.) Danach mußte ein Vollmond folgen.
3.) Es muß am ersten Sonntag danach gefeiert werden.
4.) Dieses Fest darf zeitlich nicht mit den jüdischen Passah
zusammenfallen".
Siebente Regel der
heiligen Apostel : "Ganz gleich, wer es auch immer sein mag : ein Bischof
oder ein Priester oder ein Diakon, jeder, der Ostern vor der Frühlings Tag und
Nachtgleiche zusammen mit den Juden feiert, ist seines heiligen Ranges zu
entkleiden".
Gemeinsame Verordnung in Konstantinopel unter den Patriarchen Jeremias II
(1583) : "Da die Kirche des alten Rom sich über die Eitelkeit ihrer
Astronomen zu freuen scheint und die vortrefflichen Bestimmungen über das
Heilige Osterfest, das von den Christen der ganzen Erde gefeiert wird, wie es
sich geziemt unbedachterweise abgeändert hat, werden sich daraus allerlei
Versuchungen ergeben... Deshalb müssen wir darauf hinweisen, daß es so die hl.
Väter bestimmt hatten. Wir haben dies mit dem Patriarchen von Alexandria und dem
Patriarchen von Jerusalem und anderen Mitgliedern des Synods in Dusse Swjate
besprochen und geklärt : Wer sich nicht an die Kirchenbräuche und daran hält,
was die Sieben Ökumenischer Konzile über das Osterfest und den Kalender
verordnet haben, sondern sich an die Gregorianische Ostertafel und den
Gregorianischen Kalender halten will, der handelt zusammen mit den gottlosen
Astronomen wider alle Bestimmungen der Heiligen Konzile und möchte sie
abschwächen und verändern , er sei verflucht und aus der Christuskirche und aus
der Gemeinschaft der Getreuen ausgestoßen. Ihr alle, orthodoxe und
strenggläubige Christen, haltet euch an das, was man euch gelehrt hat, womit
ihr geboren und groß geworden seid, und sollte es notwendig sein, so vergießet
auch euer Blut, auf daß der väterliche Glaube und das Bekenntnis bewahrt
bleiben. Seid auf der Hut, auf daß unser Herr Jesus Christus euch beistehe und
unsere Gebete mit euch allen seien. Amen". (Jeremias II, Patriarch von
Konstantinopel, Silvester, Partriarch von Alexandria, Sophronius, Patriarch von
Jerusalem, und andere Erzpriester des Konzils das am 20. November 1583
stattgefunden hat).
II
Für uns rechtgläubige Menschen gehört die
Benutzung des Orthodoxen Kalenders seit den Anfängen des Christentums zu den
überkommenen altbewährten, guten Kirchenbräuchen.
Der ökumenische Patriarch Ioakim III (gest. 1904) : "Es ist ein
wesentliches Merkmal der Orthodoxie und das A und 0 ihrer gesamten kanonischen
Struktur, dass die jahrhundertealten Festlegungen unserer Väter nicht verletzt
werden. Nur so sind die neuesten Bestrebungen, die, um mit den Worten des
Apostels zu sprechen, von den irdischen und teuflischen Klügeleien ausgehen, zu
verstehen. Denn ihrer Meinung nach soll das, was so viele Jahrhunderte lang
gebührend bestanden hat, nicht in Kraft bleiben und auch für die übrige Zeit
heilig sein."
Das Gesamtrussische
Heilige Konzil (1917-1918) war sich bewußt, wie verderblich jegliche Annäherung
an den gregorianischen Stil sei, und gab daher dem Julianischen Kalender den
Vorzug. Es lehnte den neuen Stil entschieden ab und legte fest, sich bei der
kirchlichen Zeitrechnung an den alten Stil zu halten.
Die vier Orthodoxen
Bischofskonzile der ausländischen Russischen Kirche (1923, 1924, 1926 und 1931)
verfügten ebenfalls den neuen Stil abzulehnen, denn die östlichen Patriarchen
hatten 1583 und 1756 den neuen Stil verflucht. Und dieser Fluch ist auch heute
noch gültig, denn das Konzil zu Nikäa hat ihn nicht aufgehoben.
Prof. W. Bolotow : "Ich
verehre nach wie vor entschieden den Julianischen Kalender. Er ist
außerordentlich einfach und, mit jeglichen Kalenderänderungen verglichen,
weitaus wissenschaftlicher. Ich denke, die Kulturmission Rußlands in dieser
Frage besteht darin, den Julianischen Kalender noch mehrere Jahrhunderte lang
am Leben zu erhalten und somit den westlichen Völkern eine Abkehr von der
unnötigen Gregorianischen Reform, und eine Rückkehr zu dem unverdorbenen alten
Stil zu erleichtern."
Wir dürfen heute
die katholische Wahrheit nicht mehr mittels des allgemein kirchlichen
Bewußtseins ergründen, denn daran mangelt es uns zur Zeit, sondern wir müssen
uns zu der gesamtkirchlichen Überlieferung hinwenden, denn in der alten Kirche
hatte es bezüglich des Kirchenkalenders keine Unstimmigkeiten gegeben, zwischen
allen hatte Eintracht geherrscht, was die Landeskonzile wiederholt bestätigt
haben...
Anhand der
Überlieferung müssen wir bestimmen, wer heute ein wahrhaftiger Sohn der Kirche
und wer ein Spalter ist. Die Bewahrung der heiligen Überlieferung, - hatte
Patriarch Ioakim III gesagt, ist ein Merkmal des rechten Glaubens...
Daraus läßt sich
schlußfolgern:
1.) Die Kalenderfrage ist eine Sache des Glaubensbekenntnisses.
2.) Der alte Julianische Kalender ist kanonisch obligatorisch, insbesondere im
Hinblick auf die Ostertafel und die Gottesdienstordnung.
3.) Der neue Gregorianische Kalender hingegen führt unweigerlich zu einer
Abänderung der Ostertafel und der Gottesdienstordnung hin.
Ein Offener Brief an alle Kinder der Christuskirche, die sich an den Orthodoxen
Kalender und an die Überlieferungen der Heiligen Katholischen Kirche halten
(1929), Innozenz, Erzbischof von Peking
(gest. 1931) :
- "Wir haben die traurige Kunde vernommen, daß diejenigen, welche sich
an die Überlieferungen der Heiligen Orthodoxen Kirche halten, von Seiten der
falschen Brüder grausam verfolgt werden. Letztere wagen es unter dem Schutz der
weltlichen Behörden, die Göttlichen Gesetze zu schmähen und zu beschimpfen.
Diese Wölfe im Schafspelz, die sich für weise Leute und Aufklärer ausgeben,
haben sich ohne jegliche Furcht vor Gott erdreistet, die Gesetze der
Christuskirche zu korrigieren. Sie sind verblendet von dem Hochmut dieser Welt,
sie dünken sich weiser als die Apostel und die heiligen Kirchenväter, mit deren
Munde der Herr selbst geredet hat...
Sie behaupten, unser Orthodoxer Kalender sei von der astronomischen Wahrheit
weit abgewichen, und daher sei es längst schon an der Zeit, zum Gregorianischen
Kalender überzugehen, denn er sei von den Gelehrten für richtig befunden und
von der ganzen gottesleugnerischen Welt akzeptiert worden. Beweisen können sie
das allerdings nicht...
Haltlos sind auch die Behauptungen der Anhänger des neuen Stils, der
Gregorianische Kalender wurde eingeführt, weil der Julianische Kalender einer
Berichtigung bedurfte. Aber die Jesuiten, die Ende des 16. Jahrhunderts in der
katholischen Kirche einen gewaltigen Einfluß gewonnen hatten, waren lediglich
darauf aus, durch die Einführung des Gregorianischen Kalenders mit dem
orthodoxen Osten endgültig so zu brechen, damit sogar die Feste zu
verschiedenen Zeiten begangen würden. Ebenso wie diese wichtigsten Argumente
sind auch die anderen zweitrangigen Beweisführungen der Anhänger des neuen
Stils zugunsten des Gregorianischen Kalenders völlig fehl, wenn sie meinen,
unser Orthodoxer Kalender und die Ostertafel seien auf die Sonne und nicht auf
den Mond orientiert. Entweder wissen sie es nicht oder verschweigen sie es
vorsätzlich, aber unserem Orthodoxen Kalender wurde der Mondkalender zugrunde
gelegt. Wir orthodoxen Christen feiern Ostern keineswegs nach den Weisungen des
Gregorianischen oder des Julianischen Kalenders, sondern gemäß dem biblischen
Kalender, wie das alttestamentliche Israel in Befolgung der durch Mose
verkündeten Gebote Gottes Passah gefeiert hatte.
Die
Neutestamentliche, die Orthodoxe Kirche gedenkt der Worte des Erlösers: Bis daß
Himmel und Erde vergeh, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein
Tüpfelchen vom Gesetz, bis daß es alles geschehe (Mt. 5, 18), und wahrt
heilig den alten Brauch, Ostern nach dem Mondkalender zu feiern.
Wie hatte unser Erlöser Jesus Christus auf Erden gelebt?
Er hat gleichfalls nach dem altbiblischen Mondkalender gelebt. Zusammen mit dem
alttestamentlichen Israel war Er im Nissan, dem ersten Monat des jüdischen
Jahres, bei Vollmond nach Jerusalem zum Passionsfest gekommen. Zu dieser Zeit
wurde Er auch verraten, abgeurteilt und gekreuzigt.
Somit sind der Tod und die Auferstehung des Erlösers untrennbar mit dem
jüdischen Passah verbunden und müssen danach erfolgen. Daher wurde es bereits im
ersten Jahrhundert des Christentums Brauch, die Karwoche, Gründonnerstag,
Karfreitag und Ostersamstag nach dem jüdischen Passah zu feiern. Und so hält es
die heilige Kirche bis auf den heutigen Tag. Damit diese Reihenfolge für ewig
beibehalten werde, legten die hl. Apostel fest, Ostern nach dem jüdischen
Passahfest, nach der Frühlings Tagundnachtgleiche zu feiern. Da das Äquinoktium
auf den September und den März fällt, und das neue Jahr seit uralten Zeiten
entweder im September oder im März begonnen hatte, so konnte Ostern, da es nach
dem Äquinoktium gefeiert wird, niemals auf das Jahresende fallen. Von dieser
Regel ist die heilige Kirche niemals abgewichen; hatte es auch manchmal
Meinungsverschiedenheiten gegeben, so nur darüber, ob man Ostern gleichzeitig
mit dem jüdischen Passahtest feiern könnte.
In dieser Frage schaffte das Antiochische Konzil Klarheit :
Es verfügte, hinsichtlich der Osterzeit habe man sich an die Regeln der Apostel
zu halten. Später, im 4. Jh., würde eine Orthodoxe Ostertafel zusammengestellt.
Das tat die gelehrteste Kirche des Altertums, die von Alexandria. Mit ihr
verglichen, waren die katholischen Reformatoren des 16. Jh. nur dreiste
Stümper, die ihr hochvollkommenes Werk entstellten.
Mit der
Zusammenstellung der Ostertafel wurde das Ziel verfolgt, daß Ostern überall zu
gleicher Zeit zu feiern sei und dabei immer strikt die Apostolische Regel
eingehalten wurde: nämlich Ostern niemals vor oder gleichzeitig mit dem
jüdischen Passah zu feiern. Den Schöpfern der Ostertafel war hinreichend
bekannt, daß der Julianische Kalender, den sie mit dem jüdischen Mondkalender
in Übereinstimmung gebracht hatten, ungenau ist, aber der Mondkalender war es
auch, das wußten sie. Der Fehler des Julianischen Kalenders korrigiert den
Fehler des Mondkalenders aber dermaßen genau, daß die Abweichung in unserer
Ostertafel, wie der Astronom Predterschenski bezeugte, innerhalb von 1900
Jahren nicht mehr als drei Stunden beträgt...
Aber
auch ohne Ostertafel und spezielle Berechnungen kann jeder Orthodoxe ohne weiteres
das Datum des Osterfestes bestimmen : möge er darauf achten, in welche Richtung
sich die Schatten bei Sonnenaufgang hinbewegen, und sich den Tag merken, wenn
die Schatten direkt nach Westen fallen werden. Das wird der Tag des
Äquinoktiums sein. Danach muß er den Mond beobachten und den Tag festhalten,
wenn der Mond im Osten aufgeht, während die Sonne zugleich im Westen untergeht,
und umgekehrt. An diesem Tag, wenn der Vollmond die ganze Nacht hindurch
leuchtet, wird das jüdische Passahfest gefeiert. An dem Donnerstag, der dem
Vollmond folgt, beginnt dann das christliche Ostern, das bis Sonntag dauert.
Dabei muß man sich merken, daß der Vollmond nur dann auf Ostern Bezug hat, wenn
er nicht früher als zehn Tage nach dem Äquinoktium eintritt, d. h. nicht vor
dem 18 März. Am frühesten wird Ostern sein, wenn der Vollmond auf Mittwoch, den
18. März, fällt. Am 19. März wird dann Gründonnerstag und am 22. März,
Ostersonntag sein. Setzt der Vollmond ein paar Tage vor dem 18. März ein, so
wird Ostern auf April verschoben: als Ostervollmond wird dann der Vollmond am
18. April gelten, auf diesen Tag entfällt dann auch das jüdische Passionsfest.
Ist dieser Tag ein Sonntag, so beginnt die Karwoche am Donnerstag, dem 22.
April, und Ostersonntag wird am 25. April gefeiert; das sind die spätesten
Ostern. Somit kann jeder auch ohne Kalender ganz genau herausfinden, wann unser
Orthodoxes Ostern gefeiert wird. Wir können uns also mit ruhigem Gewissen an
unseren Orthodoxen Kalender und an die Ostertafel halten; auf diese Weise
werden wir Ostern niemals früher als die Juden, oder mit ihnen zugleich feiern,
und auch nicht gegen die Heiligen Kanons verstoßen.
Genauer
gesagt, liegt unserem Orthodoxen Kalender weder der Julianische noch der
Mondkalender zugrunde, sondern eine nach Wochen bemessene Zeitrechnung. Das
sehen wir deutlich an unseren Gottesdienstbüchern, wo die Zeitrechnung
wöchentlich erfolgt. Seit der Erschaffung der Welt beenden wir unser Werk am
sechsten Tag, den siebenten widmen wir Gott... Aber die sich hartnäckig
sträubenden Anhänger des neuen Stils werden wir nicht überzeugen können. Auch
wenn wir noch gewichtigere Einwände gegen ihre Reform erhöhen, so würden sie
trotzdem nicht den wahren Worten glauben. Anders kann es auch gar nicht sein,
denn sie heucheln nur Liebe und tun so, als seien sie um das Wohl der Kirche
besorgt. In Wirklichkeit lassen sie sich jedoch von ganz anderen, keineswegs
religiösen Zielen leiten, denn sie gehorchen den Weisungen jener Leute, die
schon viele Jahrhunderte lang die Grundpfeiler der Christuskirche untergraben
möchten. Nicht an der Einführung des Gregorianischen Kalenders ist ihnen
gelegen, sondern daran, unseren Orthodoxen Kalender abzuschaffen und somit die
Gläubigen miteinander zu entzweien und die Bruderliebe zu tilgen. Sie haben die
Hand erhoben gegen unsere Kirchenbräuche, Bräuche, welche die Väter überliefert
haben und welche die Zeit geheiligt haben, denn die Diener des Gebieters dieser
Welt wissen nur allzu gut, daß unsere Orthodoxe Kirche gerade durch ihre
Bräuche stark und mächtig ist. Sie wissen auch ausgezeichnet, daß die
Göttlichen Kanons heilig und weise sind, und sie unsere Heilige Kirche wie eine
unbezwingbare Mauer gegen den verdorbenen Geist dieser Welt und gegen alle
schützen, die das Siegel des Antichristen tragen.
Die Widersacher von Jesus Christus haben unermüdlich und hartnäckig an den
Grundfesten Seiner Heiligen Kirche gerüttelt, um an ihrer Stelle einen anderen
Tempel, eine Art Heiligtum der sich selbst vergötternden Menschheit zu
errichten. Daher soll niemand denken, wir stritten uns um Zeiten, um Monate und
Tage und erduldeten wegen Vollmonde und Äquinoktien allerlei Unbilden. Nein,
wir treten für die Heilige Kirche ein, nehmen sie vor den höllischen Kräften in
Schutz. Die Widersacher von Jesus Christus wissen, wie hochbedeutsam es für die
Nation und die Kirche ist, daß die Feier- und Fastentage zu einer bestimmten,
für alle verbindlichen Zeit festgesetzt werden. Sie wissen, das ist für die
Nation, den Staat und umsomehr für die Kirche das allerstärkste Bindeglied.
Möge uns keiner sagen, wir kämpften gegen Luft an ! Nein. Der Herr hat uns für
würdig befunden, für Seinen Namen zu streiten. Ruhm und Ehre allen denen, die
Verfolgungen und Entbehrungen auf sich nahmen! Ewig gepriesen seien alle, denen
der Herr die Märtyrerkrone zuteil werden ließ!
In der
Christuskirche ist alles wichtig und bedeutsam, denn in jedem Brauch verkörpert
sich der Heilige Geist, der die Kirche leben und atmen läßt. Ein jeder, der es
wagt, sich gegen die auf der Heiligen Überlieferung und Schrift beruhenden
kirchlichen Bräuche und Gesetze zu erheben, der erhebt sich wider den Heiligen
Geist und offenbart allen die Augen haben um zu sehen, wessen Geistes er ist.
Und die heilige Kirche handelt richtig, wenn sie solche Leute verfemt.
Ich flehe
den Herrn an, möge er die Schwachen stärken, die Verirrten wieder auf den
rechten Weg hinführen und Seinen Getreuen einen Weg in die höheren Regionen
bereiten!